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Eine reaktive Arthritis ist eine entzündliche Erkrankung der Gelenke (Arthritis), die sich sozusagen als Reaktion (reaktiv) auf einen bakteriellen Infekt außerhalb von Gelenken entwickelt. Die Entzündung betrifft neben Gelenken oft auch die Harnröhre, die Bindehäute der Augen und teilweise auch die Haut. Darüber hinaus kann die Wirbelsäule involviert sein – mit einer Wirbelkörperentzündung (Spondyloarthritis). Deshalb wird die reaktive Arthritis heutzutage zu den entzündlichen Wirbelsäulenerkrankungen (Spondyloarthritiden) gezählt.
Weltweit können Menschen jeden Alters an reaktiver Arthritis erkranken. Die meisten Betroffenen sind allerdings jünger als 40 Jahre. In Deutschland leiden 30 bis 40 von 100.000 Erwachsenen an einer reaktiven Arthritis.
Der Berliner Arzt, Bakteriologe und Hygieniker Hans Reiter beschrieb 1916 erstmals eine Krankheit mit den drei Hauptsymptomen Gelenkentzündung (Arthritis), Harnröhrenentzündung (Urethritis) und Bindehautentzündung (Konjunktivitis) – zusammengefassr als "Reiter-Trias" bezeichnet.
Die Krankheit wurde nach ihm als Morbus Reiter (Reiter-Syndrom, Reiter-Krankheit) benannt. Da Hans Reiter allerdings ein hoher Funktionär im Nationalsozialismus war, wurde die Krankheit Anfang des 21. Jahrhunderts erst im Ausland und dann auch in Deutschland in "reaktive Arthritis" umbenannt.
Die Therapie des Reiter-Syndroms richtet sich je nach Infektionssituation und Keim. Ist die Infektion noch akut, können verschiedenen Antibiotikabehandlungen indiziert sein. Dies ist nicht der Fall, wenn kein Erreger mehr aktuell nachgewiesen werden kann.
Bei einer nachgewiesenen Harnwegsinfektion durch Chlamydien oder Ureaplasmen kommen die Antibiotika Doxycyclin oder Makrolide wie Erythromycin oder Clarithromycin in Frage. Vorallem bei einer Infektion durch Chlamydien wird eine Antibiotikatherapie empfohlen, da dieser Keim im Körper persistieren kann. Wichtig ist, dass bei einer Chlamydieninfektion stets der Partner wegen einer erneuten Ansteckungsgefahr mittherapiert werden muss!
Auch im Falle einer akuten nachgewiesenen Gonorrhoe (Tripper) oder eines Magen-Darm-Infekts wird eine erregergerechte Antibiotikatherapie empfohlen.
Sind keine Infektionen mehr nachweisbar, kann man auch symptomorientiert therapieren. So kommen bei einer akuten Arthritis nicht-steroidalen Antirheumatika zum Einsatz. Ebenso sollte hier entzündungshemmend mit einer sogenannten Kälteanwendung (Kryotherapie) gearbeitet werden. Beide Therapien helfen gegen die Beschwerden einer Arthritis.
Kommt es zu schwereren Krankheitsverläufen, bei denen mehrere verschiedenen Gelenke betroffen sind, oder es zu einer schweren Entzündung des inneren Auges (Iridozyklitis) kommt, sollte eine Therapie mit Glukokortikosteroiden (Cortisol) begonnen werden.
Persistiert das Reiter-Syndrom und es kommt zu einem chronischen Verlauf ist die Gabe von Sulfasalazin indiziert. Dies wirkt vorallem auch nochmals entzündungshemmend.
Bevor es zu einem Reiter-Syndrom kommt, hat der Patient zunächst einen bakteriellen Infekt. Dieser Infekt kann zum Beispiel ein Harnwegsinfekt (Urethritis), welcher entweder durch Neisseria gonorrhoe ausgelöst wurde, oder auch ein nichtgonorrhoischer Harnwegsinfekt durch Chlamydia trachomatis, Mykoplasmen oder Ureaplasmen sein. Ebenso kann aber auch eine Magendarminfektion durch Yersinien, Salmonellen, Shigellen (sogenannte Ruhr), Campylobacter jejuni oder Enteritiserreger die vorherige Erkrankung sein.
Hinzu kommt, dass in 60 – 80 % der Fälle eine genetische Prädisposition vorliegt. Das bedeutet, dass die betroffenen Patienten eine Veränderung in einem Antigenmerkmal haben. Diese Patienten sind HLA-B27 positiv. In der Normalbevölkerung ist dieses Gen eigentlich nur bei 8% ausgeprägt.
Nach einer bakteriellen Infektion vom Magendarmtrakt oder den Harnwegen kann es nach 2 – 6 Wochen dann zu einer reaktiven Erkrankung mit dem Reiter-Syndrom kommen.
Desweiteren können die typischen Symptome (Reiter-Trias) wegführend zu einer Diagnose des Reiter-Syndroms sein.
Es kann eine genetische Untersuchung veranlasst werden, bei der nach einem HLA-B27 Nachweis gesucht wird. In 80% der Fälle ist dies positiv.
Ein Erregernachweis ist meist schwierig, da die akute Infektion meist schon ein paar Wochen zurückliegt und somit sich keine Keime mehr in Urin (bei einer Harnwegsinfektion) oder Stuhl (bei einem Magen-Darm-Infekt) finden. In einzelnen Fällen und je nach Keim kann dies mit bestimmten Verfahren eventuell noch nachgewiesen werden.
In der serologischen Diagnostik können die Verläufe einer Infektion auch nachträglich noch bestimmt werden. Hierbei werden IgA- und IgG-Antikörper im Blut nachgewiesen. Solche parallelen Titerverläufe sprächen für eine bestehende Infektion, sind jedoch auch nicht in allen Fällen zu finden beziehungsweise im Blut nachzuweisen.
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Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.
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